Donnerstag, 15. Februar 2018

[Rezension] Layers von Ursula Poznanski

Titel: Layers
Autor: Ursula Poznanski
Sprecher: Jens Wawrczeck
Genre: Thriller, Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 17.08.2015
Hörzeit: 12 Stunden, 45 Minuten
Verlag: der Hörverlag
Format: Hörbuch
Fassung: Ungekürzt
ISBN-13: 978-3-8445-1935-8
Originalpreis: 14,99€

Kurzbeschreibung: 
Dorian lebt auf der Straße und steckt so richtig in der Klemme: Er fühlt sich von der Polizei verfolgt. Unverhofft hilft ihm ein Fremder und versteckt ihn in einer Villa, wo Dorian Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält. Doch umsonst ist nichts im Leben. Als Gegenleistung soll er geheimnisvolle, versiegelte Werbegeschenke verteilen. Als Dorian eines der Geschenke für sich behält, gerät sein Leben in Gefahr. 

Meinung: 
Wenn man sich das Cover genau ansieht, passt es– wie üblich – inhaltlich perfekt zu Poznanskis Roman, auch wenn die Thematik auf den ersten Blick nicht gleich zu erahnen ist. Da das Hörbuch quadratisch ist, sieht man hier leider wenig von den wichtigen Randelementen. Da ich die Bücher der Autorin sehr schätze, habe ich dieses Hörbuch angefangen, ohne vorher den Klappentext zu lesen. Ich persönlich finde das Buch im Nachhinein spannender ohne Klappentext, weil der doch sehr weit in die Geschehnisse hineinreicht.

Wie üblich schwingen auch in diesem Roman viele gesellschaftskritische Elemente mit. Als obdachloser Jugendlicher bringt der Protagonist bereits die besten Voraussetzungen für Konfliktpotenzial mit. Dennoch würzt Poznanski das Ganze noch einmal mit einer Prise Spannung und spinnt ein unglaubliches Netz um Dorian. Macht und wie man sie nutzen kann, ist dabei nur ein Aspekt, der im Roman aufgegriffen wird. Durch die Layers kommt außerdem noch eine moderne Technikkomponente dazu. Generell spinnt die Handlung ein interessantes Psychospiel um Dorian. Obwohl die Plotstränge sehr verwickelt sind und die Ereignisse überwiegend nicht vorhersehbar, erreicht das Buch trotzdem nicht Poznanskis übliches Niveau. Es wirkt einfach viel konstruierter als sonst und dadurch kann einen die Handlung nicht so mitreißen. Aber teilweise war das Buch zwischendrin auch sehr langatmig. Wer Poznansikis Romane bereits kennt, wird auch mit der obligatorischen Liebesgeschichte rechnen, die hier leider wirklich furchtbar inszeniert wird. Sie wirkt völlig aufgesetzt und ist auch irgendwie unnötig.

Ich konnte mit Dorian leider überhaupt nichts anfangen und dementsprechend schwer ging es mir auch mit dem Roman. Er hat zwar eine ausgefeilte Hintergrundgeschichte, durch die man ihn gut versteht, aber er ist extrem naiv, was für den Plot auch notwendig ist, ihn aber nicht gerade sympathisch und vor allem nicht sehr nachvollziehbar macht. Von den meisten anderen Charakteren bekommt man auch eher wenig mit und baut dadurch nur schwer Bindungen auf. Allerdings macht auch das im Rahmen der Geschichte Sinn. Wirklich anstrengend war aber nicht nur Dorians Naivität, sondern auch die der anderen Jugendlichen. Man kann ja letztendlich sagen, was man will, aber wer auf der Straße leben muss, sollte doch ein wenig Skepsis besitzen und nicht jedem blind vertrauen, der einem ein wenig Nettigkeit entgegenbringt. Sie sind zwar nur Jugendliche, aber das heißt auch nicht, dass sie die Intelligenz eines Brotkrumen haben sollten, auch wenn das jetzt vielleicht etwas harsch ausgedrückt ist.

An Pozanskis Schreibstil oder Wawrczecks Inszenierung gibt es wiederum nichts auszusetzen. Wawrczeck hat ja bereits andere Hörbücher der Autorin gesprochen und schafft es auch diesmal, dem Protagonist und dessen Umfeld Leben einzuhauchen und greifbar zu machen. Poznanski wiederum bleibt auch in diesem Roman bei ihrer handlungsfokussierten Schreibweise. Ein Ereignis reiht sich an das nächste und sie schafft es durchaus, das Kopfkino beim Leser anzuknipsen. Etwas schade ist wiederum, dass die Handlung sehr erzwungen wirkt wie ein Bauplan, den man Schritt für Schritt durchführen muss, wenn man das ganze Kartenspiel nicht ineinander zerfallen lassen will.

Obwohl es einige Kritikpunkte an dem Roman gibt, ist er dennoch nicht durch und durch schlecht, nur einfach nicht so gut wie man es von Poznanski gewohnt ist. Die Handlung ist durchdacht und letztendlich spannend. Das Thema mag vielleicht nicht so brisant diskutiert sein wie in ihren anderen früheren Werken, ist aber dennoch interessant. Dorian ist ein etwas anderer Protagonist, der mit seiner Naivität leider nicht glänzen kann, aber dafür gibt es viele Wendungen, die den Leser nie ganz durch den Wirrwarr an Lügen und Intrigen blicken lassen.

Fazit:
„Layers“ hat ganz klar identifizierbare Elemente, die in keinem Roman der Autorin fehlen dürfen. Leider scheint die Geschichte dennoch nicht ganz konsistent zu sein und ihr Protagonist kann nicht ganz überzeugen.

Inhalt: 3/5
Charaktere: 3/5
Sprecher: 4/5
Hörspaß: 3/5

Gesamt:

Sonntag, 4. Februar 2018

[Rezension] Outlander - Feuer und Stein von Diana Gabaldon

Titel: Feuer und Stein
Reihe: Outlander / Highland-Saga
Band: 1
Autor: Diana Gabaldon
Sprecher: Birgitta Assheuer
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 04.05.2015 / 15. Mai 2015
Seiten: 1136 / 37 Stunden, 2 Minuten
Verlag: Knaur TB / Argon
Format: Klappenbroschur / Hörbuch
ISBN-13: 978-3-426-51802-1 / 978-3-8398-1428-4
Originalpreis: 16,99€ / 29,95€

Kurzbeschreibung: 
Schottland 1946: Die englische Krankenschwester Claire Randall ist in den zweiten Flitterwochen, als sie neugierig einen alten Steinkreis betritt und darin auf einmal ohnmächtig wird. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich im Jahr 1743 – und ist von jetzt auf gleich eine Fremde, ein »Outlander«. 

Meinung:
Im Bereich der historischen Romane ist Diana Gabaldon vermutlich eine der prominentesten Autorinnen, spätestens seit der Serienadaption ihrer Highland- Saga. Im Deutschen liegen mittlerweile zwei verschiedene Übersetzungen vor: die alte, gekürzte und die neue, ungekürzte. Letztere umfasst 300 Seiten mehr. Ich habe den ersten Band der Reihe abwechselnd in gedruckter Form und als Hörbuch rezipiert und beides hatte dabei seine Vor- und Nachteile.

Das Buch startet recht gemächlich und führt einen erst einmal in Claires gewöhnliches Umfeld ein. Sie ist in den Flitterwochen mit ihrem Mann Frank und der Leser begleitet sie bei ihrer Erkundung der Umgebung von Inverness in Schottland, während Frank sich mit der Ahnenforschung seiner Familie beschäftigt. Manch einer könnte das vielleicht langweilig finden, aber mir gefiel das langsame Eintauchen recht gut. Dadurch gewöhnte man sich besser an die Protagonistin Claire. Leider baut sich die Handlung recht offensichtlich auf. Überraschende Wendungen darf man hier eher nicht erwarten. Zwar machen die Charaktere – und dabei vor allem Claire und der Highlander Jamie – viel durch, aber irgendwie ist es dann doch immer recht vorhersehbar. Allerdings sind spannende Plottwists auch nicht die Stärke des Romans. Das sind nämlich einerseits die Charaktere und die wirklich gelungene Atmosphäre, die Gabaldon aufbaut. Ihr gelingt es, das 18. Jahrhundert authentisch zu zeichnen und dem Leser das Gefühl zu geben, er wäre selbst dabei. Gerade auf emotionaler Ebene muss Claire viele Hürden überwinden. Die viel zu offensichtlich eingesetzte Liebesgeschichte des Romans konnte mich leider nur mäßig überzeugen. Zwischen Claire und Jamie gibt es durchaus Chemie, aber das rechtfertigt noch lange nicht die unzähligen Sexszenen, die quasi in jedem Kapitel zu finden sind. Davon einmal abgesehen wurde es zwischendrin auch manchmal etwas langatmig und erst nach über 500 Seiten kommt ein wenig ehrliche Spannung im Roman auf, die aber gegen Ende hin wieder abflacht. Gerade die Handlung am Ende war mir in manchen Punkten auch einfach zu absurd.

Die Charaktere sind allesamt recht vielschichtig ausgearbeitet und zeichnen sich nicht durch einen ganz bestimmten Stereotyp aus. Dementsprechend sind auch Claire und Jamie keine Heiligen, obwohl sie im Zentrum des Geschehens stehen. Jeder Charakter handelt in bestimmten Situationen anders und zeigt damit, dass er nicht nur aus einer einzigen Charaktereigenschaft besteht, sondern aus mehreren und zusätzlich einen detaillierten Hintergrund hat. Claire ist eine glaubwürdige Figur und macht den Roman gerade durch ihre kratzbürstige, sture und stolze Art amüsant. Sie ist eindeutig eine starke Protagonistin. Immer sympathisch ist sie einem trotzdem nicht unbedingt, aber das zeigt eben umso besser, dass sie ein ausdifferenzierter Charakter ist. Etwas unglaubwürdig war allerdings, dass Claire sich insgesamt recht gut in das 18. Jahrhundert einfügt, vor allem auch was ihre Sprache betrifft und dass sie viele Pflanzen und ihre Einsatzmöglichkeiten mühelos erkennt. Selbst als Krankenschwester mit einem Interesse für Pflanzenkunde wirkt es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie sich so gut auskennt, immerhin ist sie in ihrer eigenen Zeit nicht auf Pflanzen als Heilmittel angewiesen. Zuletzt gefiel mir auch das Porträt von Hauptmann Randall nur mäßig, da er wie die Glorifizierung des Bösen wirkte. Während alle anderen Charaktere ihre guten und schlechten Seiten haben, bekam er pro Aufeinandertreffen mit Claire nur immer mehr negative Züge.

Gabaldon erzählt die Geschichte um Claire und ihre Zeitreise mit detaillierten Schilderungen der Geschehnisse – und darauf muss man sich einlassen können. Obwohl das Buch über 1.000 Seiten umfasst, lässt es sich mit Sicherheit auch viel kürzer erzählen, ohne große Handlungslücken. Dadurch würde das Buch aber gleichzeitig auch sein besonderes Flair verlieren. Dennoch war Assheuer als Sprecherin des Hörbuchs eine große Bereicherung. Sie erzählt die Geschichte sehr sympathisch, betont immer passend und schaffte es auch, mir einen Eindruck von den schottischen Wörtern zu geben, die ich ohne sie zweifelsohne völlig falsch ausgesprochen hätte. Ein Manko gibt es aber trotzdem: Ihre Stimme will nicht ganz zu Claire passen, die im Buch zwischen 25 und 30 Jahre alt ist. Assheuer lässt Claire fast zehn Jahre älter wirken, was mich anfangs sehr verwirrt hat.

Insgesamt bin ich etwas zwiegespalten, was den Roman betrifft. Er war durchaus nicht schlecht und man gewinnt die Charaktere auf Dauer lieb, aber es gibt doch einige Schwächen im Buch, über die ich nur schwer hinwegsehen kann. Ob sich dabei der zweite Band als spannender erweist, wird sich zeigen. Als historischer Roman funktioniert die Geschichte aber sehr gut und wenn man nicht zu viel erwartet, wird man auch nicht unbedingt enttäuscht. Man sollte aber auch eine hohe Toleranz für die freizügigeren Szenen mitbringen. Mir persönlich war es zwischendurch einfach zu langatmig und wurde erst spät richtig mitreißend – wobei sich das auch schnell wieder verlor.

Fazit:
„Feuer und Stein“ ist ein guter historischer Roman, der perfekt ins Genre passt. Man bekommt hier einen tiefen Einblick in das 18. Jahrhundert in Schottland und kann interessante Charaktere kennenlernen und mit ihnen mitfiebern. Eine allzu spannende Geschichte sollte man aber nicht erwarten und sich von der grundlegenden Thematik der Zeitreise nicht zu viel versprechen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 3/5
Sprecher: 4/5

Gesamt: 

Samstag, 3. Februar 2018

[Rezension] Ready Player One von Ernest Cline

Titel: Ready Player One
Autor: Ernest Cline
Genre: Dystopie, Science-Fiction
Erscheinungsdatum: 27.04.2017
Seiten: 544
Verlag: Fischer TOR
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-596-29659-0
Originalpreis: 9,99€

Kurzbeschreibung: 
Im Jahr 2045 ist die Welt ein hässlicher Ort: Die Erdölvorräte sind aufgebraucht, ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Einziger Lichtblick ist die OASIS, eine virtuelle Ersatzwelt, in der man leben, arbeiten, zur Schule gehen und spielen kann. Die OASIS ist ein ganzes Universum, es gibt Tausende von Welten, von denen jede ebenso einzigartig wie phantasievoll ist. Und sie hat ein Geheimnis. 
Der exzentrische Schöpfer der OASIS hat tief im virtuellen Code einen Schatz vergraben, und wer ihn findet, wird seinen gesamten Besitz erben – zweihundertvierzig Milliarden Dollar. Eine Reihe von Rätseln weist den Weg, doch der Haken ist: Niemand weiß, wo die Fährte beginnt. Bis Wade Watts, ein ganz normaler Junge, der am Stadtrand von Oklahoma City in einem Wohnwagen lebt, den ersten wirklich brauchbaren Hinweis findet. Die Jagd ist eröffnet ... 

Meinung: 
Im April kommt die Verfilmung zum Roman unter der Regie von Steven Spielberg ins Kino. Ich selbst wurde durch einen freundschaftlichen Tipp auf das Buch aufmerksam. Die Thematik ist durchaus spannend. Eine dystopische Vision der Erde wird mit einer komplexen Form von Virtual Reality kombiniert. Um das Ganze aber noch verrückter zu machen, spielen auch unzählige popkulturelle Anspielungen auf die 80er eine übergeordnete Rolle und geben dem Roman einen ganz besonderen Charme.

Zugegeben lädt der Anfang nicht gerade dazu ein, in den Roman eintauchen zu können. Während der Einstieg zwar interessant, aber zäh ist und es furchtbar viele Informationen gibt, die auf einen einprasseln, lohnt sich das weiterlesen aber. Sobald die Handlung in Fahrt kommt, reißt sie auch mit. Es gibt einige geniale Plottwists, die sehr überraschend kommen. Generell kann man sagen, dass Cline hier viele originelle Ideen einfließen lassen hat, die miteinander verwoben ein fulminantes Feuerwerk ergeben. Gerade für Fans der Achtziger – oder jene, die in dem Jahrzehnt aufgewachsen sind – dürfte das Buch eine Art Liebesbrief voll Nostalgie sein. Aber auch wenn man die meisten Anspielungen nicht versteht, kann man das Buch lesen und trotzdem genießen. Die nerdigen Themen sprechen dabei vor allem Videospielfans an und auch einige filmische Referenzen finden sich, während Musik leider etwas in den Hintergrund tritt. Auch weniger versierte Leser, die sich mit den 80ern kaum auskennen dürften, hier aber die ein oder andere Referenz finden, die ihnen doch ein Schmunzeln entlockt. So kommt zum Beispiel auch ein schnieker DeLorean. Sehr schön war vor allem, dass diese ganzen Referenzen eher spielerisch eingebaut werden und dadurch nicht übertrieben wirken. Die Jagd nach dem Easter Egg ist ziemlich spannend beschrieben und hält einige Höhen und Tiefen für den Protagonisten bereit. Dabei wird die Geschichte vor allem realistisch gehalten – soweit man das bei einem derartigen Werk überhaupt sagen kann. Der „Held“ erreicht also nicht alles mühelos und muss auch mal ein paar Fehlschläge einstecken. Das Ende war sehr passend, auch wenn es nach dem Lesen des Romans ein bisschen widersprüchlich wirkt. Dennoch ist die Botschaft dahinter gut und erinnert an verwandte Romane wie „Erebos“ von Ursula Poznanski. Um fair zu bleiben gab es aber auch einen Punkt, der mir nicht so gefallen hat. Dazu gehörte vor allem die Liebesgeschichte des Romans, die zwar logisch und wichtig für die Handlung ist, aber für meinen Geschmack ab und an auch störende Ausmaße annahm und das typische trottelige Bild eines verliebten Jungen gezeichnet hat. Aber dennoch war es eine sehr gut integrierte Liebesgeschichte. Insgesamt ist die Amtosphäre sehr authentisch.

Wade, den wir zunächst nur als Parzival kennenlernen, ist ein recht durchschnittlicher Typ und doch sehr realistisch nachempfunden. Passend dazu, dass er fast die ganze Zeit in der OASIS verbringt, ist er kein blendend schöner Muskelprotz, sondern sogar ein bisschen dicklich. Man kann ihn vielleicht nicht als sympathischsten Protagonisten bezeichnen, aber gleichzeitig ist er auch nicht unsympathisch. Man kann sich gut in ihn einfühlen. Etwas abstrus fand ich, dass Wade – und auch die anderen Charaktere – sich eine schiere Unzahl an Wissen über die Achtziger und Hallidays exzentrische Art merken können, was aber auch wieder zeigt, wie viel Zeit sie eigentlich in der OASIS und mit der Suche nach dem Easter Egg verbringen. Trotz vielmaligem Anschauen könnte ich trotzdem keinen kompletten Film mitsprechen oder ständig beiläufig daraus zitieren. Und damit meine ich keine Zitate, die so eingängig sind, dass sie wirklich leicht zu merken sind a la „Ihr seid der schlechteste Pirat, von dem ich je gehört habe.“ – „Aber Ihr habt von mir gehört!“ (Fluch der Karibik). Wenn man diese Tatsache einmal ignoriert, sind die Charaktere aber sehr sympathisch und glaubwürdig ausgearbeitet und Wade wird schnell zu einem literarischen Freund. Wade erzählt aus der Ich-Perspektive, wodurch man natürlich einen noch intensiveren Bezug zu ihm bekommt.

Der Schreibstil Clines ist recht locker und einnehmend. Gleichzeitig gibt es viele markante Beschreibungen, was auch quasi nötig ist, da allein viele Videospiele umfangreich ausgeführt werden und man als Leser ein gutes Bild davon bekommen muss, gerade wenn man sich mit dem entsprechenden Spiel nicht auskennt. Das gelingt Cline aber mühelos. Er erschafft ein großartiges Kopfkino. Gleichzeitig wird man auch – nach der Einstiegsphase – nie vom Text erschlagen und gerade auch die Computerspielatmosphäre wird gut integriert.

Ja, der Roman hat mich tief beeindruckt und begeistert. Hat man erst einmal angefangen zu lesen, will man gar nicht mehr aufhören. Hier trifft einfach alles aufeinander. Eine spannende Geschichte, ein interessanter Weltenbau, ausdifferenzierte Charaktere, ein angenehmer Schreibstil ... – und dann wird das alles auch noch auf eine so raffinierte Art zusammengeführt, dass man sich dem Charme des Romans kaum entziehen kann. Die kleinen Macken werden geradezu überstrahlt von den Stärken der Geschichte.

Fazit: 
Lesen. Nein, ernsthaft. Wer Videospiele oder die Achtziger auch nur ein bisschen mag, popkulturelle Referenzen liebt, sich selbst als Nerd sieht oder auch einfach nur eine spannende und farbig erzählte Geschichte lesen will, ist hier richtig. Also: Ready Reader One!

Inhalt: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 5/5

Gesamt:

Mittwoch, 24. Januar 2018

[Kurzrezension] Die Dämonenakademie - Wie alles begann von Taran Matharu

Titel: Wie alles begann
Reihe: Die Dämonenakademie
Band: 4 (Prequel)
Autor: Taran Matharu
Genre: Abenteuer-Fantasy
Erscheinungsdatum: 09.05.2017
Seiten: 112
Verlag: Heyne fliegt
Format: Ebook
ISBN-13: 978-3-641-20396-2
Originalpreis: 1,99€

Kurzbeschreibung:
Die Dämonenakademie - Wie alles begann erzählt die Geschichte von Arcturus, der später einmal der größte Dämonenmagier seiner Zeit werden soll. Schon als kleiner Junge hat Arcturus seine Familie verloren und schlägt sich eher schlecht als recht als Stalljunge durchs Leben. Doch dann bemerkt er eines Tages, dass er die seltene Gabe besitzt, Dämonen zu beschwören. Arcturus wird Schüler der geheimnisvollen Dämonenakademie – und das größte Abenteuer seines Lebens beginnt.

Meinung: 
Das Prequel gibt einen tieferen Einblick in Arcturus Jugend und zeigt seinen Werdegang zum Dämonenmagier. Der Klappentext ist dabei ein bisschen euphemistisch oder gar hyperbolisch formuliert. Man sollte auf den 112 Seiten keine ausschweifende Erzählung erwarten und genauso funktioniert die Geschichte auch. Eher knapp wird man in Arcturus‘ Umfeld und Hintergrund eingeführt. Der Fokus liegt eindeutig auf der Handlung und folgt einem roten Faden. Ein bisschen liest es sich wie bei einem Lauf auf eine Zielgerade zu. Besonders interessant war, dass viele bekannte Charaktere auftauchen, die Fletcher als Erwachsene kennt, z.B. Raubler, Lovett oder auch Fletchers Vater. Es ist vor allem eine Art Nostalgiegeschichte und das sollte man beim Lesen im Kopf behalten. Zwar gibt es durchaus einen Spannungsbogen mit interessanter Handlung, aber ähnliche Brisanz wie in den Hauptbänden darf man nicht erwarten. Dennoch ist der Hauptkonflikt fesselnd und das Ende wärmt einem das Herz.

Fazit: 
Wer „Die Dämonenakademie“-Reihe ohnehin verschlungen hat, kann hier beherzt zugreifen. Wenn auch kurzweilig, so ist diese Lektüre doch eine schöne Ergänzung zu den anderen drei Bänden und kann mit altbekannten Charakteren und einer soliden Geschichte überzeugen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt:

Dienstag, 23. Januar 2018

[Rezension] Der Circle von Dave Eggers

Titel: Der Circle
Autor: Dave Eggers
Genre: Dystopie
Erscheinungsdatum: 14.08.2014
Seiten: 560
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-462-04675-5
Originalpreis: 22,99€

Klappentext:
Huxleys Schöne neue Welt reloaded: Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »drei Weisen«, die den Konzern leiten – wird es keinen Schmutz mehr geben im Internet und auch keine Kriminalität. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterneköche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles …

Meinung:
„Der Circle“, mittlerweile oft besprochen und dabei vermutlich genauso oft bejubelt wie zerrissen worden, ist definitiv eine Dystopie, die für Aufsehen gesorgt hat – und mittlerweile sogar verfilmt worden ist. Wenn nicht Buch oder Thematik, werden wahrscheinlich Emma Watson und Tom Hanks auch ein Grund für viele sein, sich den Film zu Gemüte zu führen. Auch mich hat der Film motiviert, das Buch zu lesen, da ich Filme ungern schaue, bevor ich das Buch dazu kenne. Hat es sich also gelohnt? Dystopische Weltsichten gibt es mittlerweile viele, aber „Der Circle“ ist dabei doch etwas Besonderes.

Der Grund dafür lässt sich gleichzeitig ganz einfach und doch auch ausschweifend erläutern. Leider muss man der Tatsache ins Auge blicken, dass dieser Roman furchtbar flach ist und keinerlei Dynamik aufweist. Man könnte sagen, die Idee ist großartig, die Umsetzung aber harmlos ausgedrückt absolut grausig – und gleichzeitig passend. Man sollte sich keine Illusionen machen. Wer einen spannenden Roman mit außergewöhnlichen Plottwists erwartet, der ist hier falsch. Jegliche Spannung und Dramatik, die aufkommen könnte, wird vom Autor gnadenlos ausgemerzt. So werden potenzielle Handlungsstränge immer wieder ignoriert. Die – wenigen – kritischen Momente für die Protagonistin Mae werden sofort wieder relativiert und irgendwie nicht richtig ernst genommen. Die Thematik war aber wirklich genial. Es geht um eine Welt voller Überwachung, in die sich die Gesellschaft von selbst begibt. Alles soll transparent werden. Das System wirkt dabei erschreckend realistisch, vor allem weil es glaubwürdig und detailliert beschrieben wird. Man merkt im gesamten Roman auch, dass hierauf der Fokus liegt. So liest man sich mehrere Seiten durch, während Mae lediglich lernt, bestimmte Arbeitsaufgaben zu bewältigen. Der Circle wird im Buch aber nicht unbedingt glorifiziert, sondern überraschend neutral dargestellt. Dies ist definitiv außergewöhnlich, da die Protagonisten in Dystopien in der Regel aus einer perfekt wirkenden Welt ausbrechen wollen, während man hier eher das gegenteilige Gefühl hat. Das Ende war jedenfalls ernüchternd und passt perfekt zum Ton des Romans.

Mae ist ein erstaunlich flacher und naiver Charakter und bietet wenig Identifikationspotenzial für den Leser. Interessant ist, dass sie über den Circle von Anfang an so gut wie gar nichts zu wissen scheint, aber unbedingt dort arbeiten möchte. Dies erleichtert natürlich, dass man als Leser mit ihr zusammen über die Sitten im Circle aufgeklärt wird. Gleichzeitig ist es eine Ironie zur Transparenz, die der Circle ja eigentlich erreichen möchte. So gesehen ist Mae der perfekte Charakter, um langsam in den Sog des Circles zu geraten und dessen Auswirkungen zu demonstrieren. Und tatsächlich wirkt die nur mäßig charakterisierte Mae wie Eine unter Vielen und vielleicht soll das auch ihr Zweck sein, denn im Circle ist der Einzelne der Gesellschaft eindeutig untergeordnet. Gleichzeitig wirkt Mae auch durch den Schreibstil eher unnahbar und ihre Motive sind schwer verständlich. Die meisten anderen Charaktere werden nicht groß beschrieben und Dank der großen Namensflut hat man oft mit der entsprechenden Zuordnung zu kämpfen. Etwas ungünstig fand ich, dass nur bei Mae und ihrer Freundin Annie dargestellt wird, welche negativen Auswirkungen der Circle haben kann. Insgesamt wirkt es so als hätten fast alle Charaktere ihre Augen und Ohren vor allem verschlossen und würden blind durch die Gegend laufen. Das Gegenteil gibt es natürlich auch. Die drei Weisen wiederum sind aber eine wirklich interessante Idee und obwohl sie quasi nicht transparent sind – was wirklich auffällig im Buch nicht thematisiert wird – bekommt man als Leser doch einen guten Eindruck von ihnen.

Dem Schreibstil Eggers kann man insgesamt eher wenig abgewinnen. Erschlagende Absatzblöcke, wohin das Auge reicht, gepaart mit einer völlig alltäglich wirkenden Handlung eigentlich abschreckend. Man muss dem Autor aber dennoch seine Sprach- und Metapherngewalt zugutehalten. Für den einen möge letztere zwar vielleicht plump wirken, aber Eggers beweist an vielen Stellen im Roman, dass er es durchaus versteht mit Sprache umzugehen. Auch symbolisch gibt es hier interessante Verbindungen, wie das Kajak fahren, das als Ausbruch aus der Digitalisierung und Vernetzung im Circle gesehen werden kann.

Wer sich in Romanen lieber Spannung und Unterhaltung wünscht, ist hier leider an der falschen Stelle. Das Buch entwickelt zwar einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann, gleichzeitig ärgert man sich aber auch immer wieder über den Handlungsverlauf und die vertanen Chancen, die der Autor sich entgehen lassen hat. Letztendlich bietet „Der Circle“ aber trotzdem etwas: Ein nüchternes und wirklich tragisches Bild auf eine mögliche Zukunft. Es bleibt einem auf jeden Fall noch eine Weile in den Knochen stecken.

Fazit:
Obwohl „Der Circle“ weder mit sympathischen Charakteren noch mit einem spannungsreichen Handlungsverlauf glänzen kann, bietet es dennoch eine wertvolle Lektüre, wenn man sich mit Zukunftsvisionen auseinandersetzen möchte.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 1/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 3/5

Gesamt: